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Studentenproteste

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Studentenproteste

2010-05-22 23:45 (0 Kommentare)

Die Studentenproteste werden seit jeher eher belächelt, weniger ernst genommen und als Minderheitenerscheinung abgetan. Das war in den 60iger Jahren des letzten Jahrhunderts so und das ist auch nun so. Es ist sehr schwer raus zufinden, was die Studierenden eigentlich fordern. Das habe ich schon beim Schreiben meiner Diplomarbeit erfahren und mich in dieser nur auf die Medien bezogen oder besser so gut wie nur. Damit habe ich einen großen Teil der Anliegen der Studierendenbewegung nicht genügend beachtet.

Bei der 68er-Bewegung handelt es sich relativ klar um eine soziale Bewegung im Sinne der Definition nach Raschke. Raschke hat soziale Bewegungen folgendermassen definiert:

„Soziale Bewegung ist ein kollektiver Akteur, der in den Prozess sozialen Wandelns eingreift.“ (Quelle: Joachim Raschke (1991): Zum Begriff der sozialen Bewegung. S.32.)

Er führt an, dass dies vor allem auf die Bewegungen im deutschsprachigen Raum zutrifft. Raschke definiert die Bewegungen weitergehend:

„[...] soziale Bewegung [ist] ein mobilisierender kollektiver Akteur, der mit einer gewissen Kontinuität auf der Grundlage hoher symbolischer Integration und geringer Rollenspezifikation mittels variabler Organisations- und Aktionsformen das Ziel verfolgt, grundlegenderen sozialen Wandel herbeizuführen, zu verhindern oder rückgängig zu machen.“ (Quelle: Joachim Raschke (1991): Zum Begriff der sozialen Bewegung. S.32.)

Um diese Definition zu verstehen, werden die einzelnen Begriffe zunächst getrennt voneinander erklärt.

Der Begriff mobilisierender kollektiver Akteur umfasst einen kollektiven Handlungszusammenhang, der die Individuen einbindet und sie anregt, weiterhin an Aktionen der Bewegung teilzunehmen. Es ist also nicht eine bestimmte Person oder Organisation gemeint, sondern mehrere Personen und auch mehrere Organisationen. Die Aussage auf der Grundlage hoher symbolischer Integration beinhaltet, dass die agierende Gruppe ein besonderes Wir-Gefühl entwickelt, welches zur Schau gestellt wird. Sie grenzt sich zu anderen Organisation oder auch der Opposition ab, unter anderem durch bestimmte Kleidung, Umgangsformen und/oder politischen Symbolen. Ein Beispiel ist die Regenbogenfahne als Symbol der homosexuellen Bewegung. Die geringe Rollenspezifikation sozialer Bewegungen ist durch einen niedrigschwelligen und vielfältigen Zugang zur Bewegung gekennzeichnet. Kurzum jeder, der die gleichen Interessen vertritt, kann teilnehmen. Als Ziel ist der soziale Wandel definiert, wobei dieser auch nur Teilbereiche der Gesellschaft oder des Staates umfassen kann.

Soziale Bewegungen sind also durch mehrere Personen und/oder Organisationen gekennzeichnet, die sich hinsichtlich ihrer Interessen verbinden und ein gemeinschaftliches Verhalten bezüglich ihrer Kleidung und ähnlichem zeigen. Sie wollen Teilbereiche der Gesellschaft oder des Staates beziehungsweise auch das ganze System zu einem bestimmten Verhalten, Denken, Handeln oder Entsprechendem bewegen.

Dem kann man klar zustimmen für die Studentenbewegung der 1960iger Jahre. Ich finde, dass diese Definition auch auf die neue Studierendenbewegung zutrifft. Das einzige Manko ist die hohe symbolische Integration, die nicht so gut und so stark nachzuvollziehen ist, wie es bei anderen sozialen Bewegungen der Fall ist.

Aber was will die Studentenbewegung denn nun ändern? Was möchte sie erreichen? Welche Ziele hat sie und warum überhaupt?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, sei erstmal erklärt wie so ein Studium heutzutage überhaupt aussieht. Die Bachelor- und Master-Studiengänge haben das Studium stark verändert . Es ist nicht so falsch dargestellt, wenn man davon spricht, dass die Schule einfach nur fortgeführt wird. Das Studium ist stark verschulischt. Es gibt kaum Wahlmöglichkeiten. Die Pflichtveranstaltungen überwiegen die Kür bei weitem. Eine Orientierungsphase, ein Reinschnuppern in die verschiedenen Bereiche einer Fachrichtung, gibt es nun nicht mehr. Oder sie ist nur mit großem finanziellen als auch persönlichen Aufwand zu meistern. Es gibt auch keine Zeit mehr neben den Pflichtveranstaltungen andere Veranstaltungen zu besuchen, denn die Veranstaltungen müssen vor- und nachbereitet werden, denn am Ende des Semesters gibt es den Prüfungsmarathon, der meist ein Abrufen von Informationen über Multiple-Choice-Test ist. Natürlich gab es früher auch diese Vor- und Nachbereitungszeit, der Aufwand für die einzelnen Veranstaltungen war sicher nicht geringer, aber wenn man in einem Semester eine Veranstaltung verpaßt hat, dann hat man sie im nächsten gemacht. Dies geht so nun nicht mehr, weil die Module aufeinander aufbauen und sie werden nur noch jährlich und nicht mehr semesterweise angeboten. Hab ich also eine Veranstaltung nicht geschafft, muss ich ein Jahr auf meine nächste Chance warten. Das ist alles andere als sinnvoll. Auch die Abfrage des Gelernten durfte ich noch anders erleben. Ich habe den Hauptteil meines Studiumes mit mündlichen Prüfungen verbracht und dem Schreiben von Hausarbeiten. Ich habe also gelernt meine Argumentationen zu verteidigen und auch in Situationen von großem Streß mein Wissen anzuwenden und zu verteidigen. Denn wenn man sich vorstellt, dass man von Grund auf von zwei Professoren auseinander genommen wird, dann ist das ein höheres Streßaufkommen als bei der Beantwortung von Prüfungsfragen in einer Klausur. Der Streß der heutigen Studierenden liegt darin 10 Klausuren innerhalb von 2 oder 3 Wochen zu bestehen. Es ist also nicht weniger sondern anders geworden, aber ist das nun besser? Die Frage möge sich bitte jeder selbst beantworten.

So sieht also der vielzitierte faule Studierende aus und vergesst dabei nicht, dass daneben noch gearbeitet werden muss, um das Studium überhaupt zu finanzieren. Außerdem noch der aufgenommene Kredit, da das Arbeiten alleine nicht ausreicht oder weil man einfach nicht so viele Stunden arbeiten kann, die man müsste.

Ich schweife ein wenig ab vom Thema, aber das will ich nicht weiter. Ich verlinke nun auf wirklich gut geschriebene und recherchierte Artikel, die einem die Studentenbewegung und die Belange der Studierenden sehr viel näher bringen. Dann wird auch klar, was die Studierenden wollen und wenn man bedenkt, was ich gerade geschrieben habe, auch warum.

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Warum habe ich nun aber so weit ausgeholt, um nur zwei Verlinkungen anzubringen? Zum einen weil ich für das Thema weiter sensibilisieren will und zum anderen weil ich es kann. ;) Die 68iger wollten nicht so viel anders als die heutige Studierendenbewegung. Auch damals wurden nur wenige Aspekte von den breiten Massen erkannt und wahrgenommen. Auch damals wurde nicht gerade positiv über die Studentenproteste berichtet. Auch damals war den meisten Menschen nicht klar, worüber sich die Studierenden eigentlich beschweren. Und leider hat sich das so viele Jahre später nicht wesentlich geändert.

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