Internetsperren - ZDF und Europa
2010-03-31 10:58 (3 Kommentare)
Entsetzen, das - pure
Vorgestern hat Patricia Wiedemeyer einen Beitrag zu Netzsperren im ZDF-Blog 'Kennzeichen Digital' veröffentlicht. Abgesehen davon, dass dieser Beitrag sich auf verbreitete Lügen stützt und einfach Unwahrheiten verbreitet, ist er auch noch schlecht recherchiert. Eigentlich reicht es ja, dass eine vermeintliche Journalistin sich der Propaganda einer Ursula von der Leyen oder einer Cecilia Mälmström einfach anschließt, ohne einen kritischen Blick zu riskieren.
Ich verstehe nicht, wie, über ein Jahr nach dem sich in Deutschland massiver Widerstand gegen die Internetsperren zusammen gefunden hat, man immer noch glauben kann, dass das Verhängen von Schaufenstern sinnvoll ist. Vor allem wo ein sehr kleiner Teil - ein sehr sehr kleiner Teil - des kinderpronografischen Materials in Netz vermeintlich frei zugänglich ist. Das meiste Material - ich weiß, ich wiederhole mich und andere - per Filescharing und POST läuft. Man möge sich das nochmal kurz vorstellen, über die POST!!! Entschuldigung, ich will meine Leser nicht anschreien, aber ich bin einfach nur noch entsetzt und geschockt. Was will man mit der Post machen? Vorsichtshalber jeden Brief öffnen und lesen, damit so was auch nicht nur im Ansatz vorkommt? Kinder werden in 95% der Fälle von nahen Angehörigen, Freunden der Familie, Priestern (um noch ein anderes aktuelles Thema aufzugreifen) missbraucht. Das ist kein böser Mann, den man nicht kennt. In den meisten Fällen ist es eine Vertrauensperson.
Internetsperren helfen keinem Opfer. Es wird die Anzahl an missbrauchten Kindern nicht verringern. Es wird nicht dazu beitragen, dass die Opfer geschont werden. Denn es gibt andere Wege als das Internet solche Bilder zu verbreiten und sie werden und wurden genutzt. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum und keiner der gegen Netzsperren eintritt, ist für die Verbreitung von derartigen Bildern, Filmen oder ähnlichem.
Ich sollte mich nun aber zurücknehmen, da es mich wirklich aufregt und ich die Inkompetenz der Journalisten und Politiker nicht verstehe und akzeptieren kann. Deshalb gibt es nun eine Linksammlung zu den aktuellsten Artikeln:
Besonders empfehlenswert ist der Artikel von Mario Sixtus, der im gleichen Blog des ZDFs auf Patricia Wiedemeyer antwortet, und das macht er sehr gelungen: Gegen Placebo-Gesetze: Warum Netzsperren sinnlos und gefährlich sind
Telepolis beschäftigt sich ebenfalls mit dem Thema der EU-weiten Netzsperren und wer dieses Vorhaben noch nicht mitbekommen haben sollte, der sollte sich diesen Artikel von heise.de zu Gemüte führen. Auch unsere Justizministerin ist gegen Netzsperren - das wird hier nochmals dargelegt. Auf Netzpolitik.org finden sich einige Artikel zum Thema und weitere Dummheiten von Reportern, die besprochen werden.
So nun beruhigt sich hoffentlich mein Blutdruck. Ich bin gespannt auf eure Meinungen zum Thema.
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Kommentar von supamichi | 2010-03-31
Ich verfolge das Thema auch schon seit einiger Zeit und teile Deine Meinung. Heute war dazu noch ein Artikel in der WAZ. Wie dumm und einfältig müssen Politiker sein zu glauben, dass man den Besuch von Seiten mit kinderpornografischem Inhalt mit einem STOPP Schild verhindern kann. Wenn es möglich ist das Stoppschild vorzuschalten, muss es auch möglich sein, die Seite zu löschen. Als Argument, dass das nicht so einfach geht, wurde der Umstand angeführt, dass viele dieser Seiten im Ausland gehostet werden und die Kommunikation mit den dortigen Providern schwierig sei. Ich denke, dass Kindesmissbrauch in 99% der Länder dieser Erde ein Straftat darstellt. Warum sollte es also schwierig sein, einen ausländischen Provider dazu zu bewegen, derlei Seiten nach Bekanntwerden vom Netz zu nehmen. Ich denke, dass da was ganz anderes hinter steckt. Es ist wohl mehr der Reiz für Politiker, hier eine Möglichkeit der Zensur des Internets zu schaffen, sozusagen als Herrscher des Internets die Inhalte zu bestimmen. Daher steht nicht das Löschen dieser Seiten sondern eher das Interesse an Möglichkeiten zur Zensur via Stoppschild oder wie auch immer im Vordergrund.
Ich bin sicher, wenn man wollte würde es ganz bestimmt geeignete Massnahmen zum Löschen bekannter Seiten geben. Ein weiteres Thema ist sicherlich der Tausch in passwortgeschützten Foren. Hier versagen die Suchmöglichkeiten. Vielleicht sollte die Kripo ein paar Hacker einstellen, die mal zeigen wie es geht.
Ich habe ein Sohn von vier Jahren und bei ich möchte den Gedanken nicht ansatzweise weiter denken. Die Kaltblütigkeit, Brutalität und der gravierende Mangel an Empathie dieser Monster liegen ausserhalb meiner Vorstellungskraft. Und Politiker verlieren sich hier in sinnlosen Diskussion. Das ist für mich sicheres Auftreten bei totaler Ahnungslosigkeit.
Kommentar von Helena | 2010-04-01
Hallo Supamichi,
es ist ja bereits mehrfach getestet worden, dass das Löschen der Internetseiten sehr schnell erfolgen kann. Bei Phishing-Seiten im Netz geht das mittlerweile binnen weniger Stunden. Warum sollte es also nicht auch bei diesem Material möglich sein?
Es gab eine Untersuchung - leider weiß ich nicht mehr von wem - in der geschaut wurde, in welchem Land Kindesmissbrauch nicht strafbar ist. Gesetzlich ist es nur in den Ländern nicht strafbar, in denen Kriege oder kriegsähnliche Zustände herrschen. Besser müsste man sagen, dass es keine Reglung in diesen Ländern gibt, da allgemein eine sehr schwierige Situation in diesen Ländern besteht.
Ich habe zwar noch keine eigenen Kinder, aber ich habe eine Nichte und einen Neffen. Auch ich möchte nicht, dass diesen beiden jemals so etwas schlimmes zu stößt und wenn dann vertraue ich hoffentlich noch auf unsere Justiz.
Aber - und das ist ein großes Aber - die Vorstellungen bezüglich Internetsperren dienen meines Erachtens nur dafür um eine bisher noch geschlossene Tür zu öffnen für viele weitere, wie beispielsweise die Anbieter von Musik, Filmen, etc. Sie stehen ja schon mit scharrenden Füßen und haben bereits Forderungen gestellt. Außerdem wäre es so möglich ein freies, weltweites Medium zu kontrollieren und zu zensieren, wo und wie es die Regierung des Landes für richtig hält.
Außerdem bieten Internetsperren keinen Schutz vor Kindesmissbrauch. Der Missbrauch wird weiter stattfinden. Man muss also an einer anderen Stelle ansetzen, um Kindesmissbrauch zu verhindern. Aber MArio Sixtus hat das in seinem Beitrag wirklich gut beschrieben und ich will ihn nicht einfach wiederholen.
Ich danke Dir für deinen Kommentar.
Viele Grüße
Helena
Kommentar von raver | 2010-04-01
Es ist natürlich eine schlimme Thematik. Jedoch befürchte Ich ebenfalls, das Internetsperen nichts nützen. Es verhindert den Missbaruch in keinerlei Weise. Okay ein International einheitliches Gesetz wär ja erstmal ,dus Grundkriterium um etwas zu erreichen. Jedoch sehe ich da noch andere Probleme. Es gibt sehr viele Erwachsene, für die das Internet, bzw. die ganze Technische Entwicklung der letzten Jahre völlig an vielen Erwachsenen vorbei gegagnen ist und weil sie sich nicht ausgiebig genug mit der Materie beschäftigen können oder wollen. Es gibt auch eine Dokumentation da werden Polizisten ganz klar gefragt, ob sie sich mit der" Cyberkriminalität" auskennen und auseinandersetzen können . 90% aller Antworten waren eindeutig:" Ich kann den PC einschalten meinen Behördenkram mit einem Schreibprogram erledigen und eventuell eine CD brennen, von allem anderem habe ich keine Ahnung". Wie sollen solche Leute die Internettkriminalität verhindern? Ich wage mal eine Antwort und sage:" Sas geht nicht!"
Auch ein weiteres Problem ist die Wirtschaftliche Lage in anderen Landern. Nehmen wir z.b Kroatien. Dort wird ganzz klar gesagt, dass Polizisten und Behörden total überfordert sind u nd zum anderem werden dort Arbeiter von Staatlichen Behörden viel zu schlecht bezahlt. Da breitet sich natürlich dann die Korruption aus und es werden alle Augen zugedrückt. Dewegen sehe ich die Kommunikation mit ausländischen Providern schon manchmal als Problem an. Je ärmer das Land ist, um auf so schlimmere Ideen für ein paar euro kommen die Leute und wenn es nur solche Jobs sind, das man für ein paar Euro eine Vergewaltigung filmt. Es gibt genug arme Schweine die auch überleben wollen und dann die Kamera einschalten. In Deutschland ist die Lage ebenfalls prikär (finanziell gesehen) Auch in Deutschland ibt es genug Polizisten die einen zweitjob haben weil sie nicht genug verdienen. Auch hier wird viel zu viel zu den Akten gelegt, z.b gerade vieles was Internetkriminalität betriift (z.b Kinderpornografie). Desweiteren, muss man sagen,dass sich die Kinderpornografie Heute schon international ausgebreitet hat und das auch hier (wie in allen anderen Bereichen im Kapitalismus) eine mächtige lobby dahintersteckt. Und eins kennt man ja von den meisten Politikern: An die richtig Mächtigen geht man nicht heran denn sonst sind unsere Politiker auch ganz schnell ihren Job los. Und es fällt natürlich auf, das solche heiklen Themn nur dann angesprochen werden wenn sich unsere Politiker profilieren wollen. Ein gesellschaftskritische Themen sind für Politiker immer eine ganz große Werbung. All das was unsere Politiker mit Internetspeeren jetztvorhaben, ist nach einem halben Jahr garaniert wieder vergessen.