FrOSCon 2010
2010-08-22 23:43 (8 Kommentare)
Ein Erlebnisbericht
Der Tag begann früh, viel zu früh. Nach gerade 3,5 Stunden Schlaf schellte der Wecker am 21. August - der Tag meiner ersten Messestandbetreuung für Ubuntu. Obwohl ich extrem aufgeregt gewesen wäre, normalerweise, war ich an dem Tag einfach viel zu müde. Kurz vor sieben Uhr ging es Richtung St. Augustin, dass wir schon um kurz vor Acht erreichten, ganz ohne einen Stau zu passieren oder Umwege gefahren zu sein.
Wir waren also da - am Ort des Geschehens, das Gelände der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg. Natürlich fiel uns erst da ein, dass wir die Kamera daheim vergessen hatten. Also gibt es von mir leider keine Fotos von dort. Die Kasse war noch nicht offen, aber es gab einen Seiteneingang, wo ich meinen Messemitarbeiterausweis abholen konnte und eine Tasche mit Flyern, einer Zeitschrift und einem Block. Sie sind toll, diese Geschenke, die man direkt zu Beginn bekommt.
Kurz nach acht war auch schon der erste Mitstreiter unseres Standes da, Rainer Unkenstein. Zusammen haben wir den Wagen entladen und begannen mit dem Aufbau. Thomas, dessen Nachnamen ich leider vergessen habe, gesellte sich auch sehr schnell zu uns und so war unserer Team für den Tag komplett. Wir haben Plakate aufgehangen, den Rechner aufgebaut, Merchandising-Artikel, wie Schlüsselbänder, T-Shirts und Aufkleber, sowie Flyer und Installationscds auf den Tischen verteilt, die uns zugeteilt wurden.
Das war sehr schnell erledigt und der Stand sah toll aus. Außerdem kamen wir sehr schnell mit den anderen Standbetreibern ins Gespräch. Links von uns war das GNOME-Projekt vertreten, rechts von uns Perl und gegenüber war unter anderem die fedora-Crew.
Da wir so schnell fertig waren, gab es Zeit sich die anderen Ständen anzusehen und noch mehr zu plauschen. Das war toll. Alle Menschen, mit denen ich gesprochen habe, waren total aufgeschlossen und sprachen begeistert über ihr Projekt. Zum Beispiel habe ich mir einen 3D-Drucker angeschaut und mir das Prinzip erklären lassen. Am Ende bekam ich sogar ein ausgedrucktes blaues 3D Herz. Sehr schön und ein total spannendes Projekt.
Dann eröffnete die Messe und die Leute strömten auf das Gelände. Die eigentliche Messearbeit begann. Man sprach Leute an, die sich interessiert den Stand anschauten, wurde von Leuten auf spezielle oder allgemeine Probleme angesprochen und traschte. Ich half, wo ich helfen konnte, entweder durch das Wissen, was bereits vorhanden ist, oder durch die Benutzung des Wikis von ubuntuusers.de. Wenn ich gar nicht weiter wusste und das kam leider häufiger vor als mir lieb war, bat ich die beiden Jungs, den Leuten zu helfen. So verteilten wir die CDs, ein paar Schlüsselbänder wurden gekauft und Aufkleber wurden mitgenommen. Natürlich gab es auch ein paar Leute, die, wie kann ich es nett ausdrücken, nur unser Fachwissen auf die Probe stellen wollten. Ich fand es relativ leicht mich nicht auf die Diskussion einzulassen, welche Distribution nun die bessere ist. Allerdings habe ich mit bekommen, dass es anderen da auch anders erging und sie sehr viel herber angegangen wurden als ich. Ehrlich gesagt, hätte ich nicht wirklich gewusst, wie ich mit einem so eher unangenehmen Zeitgenossen umgehen hätte sollen, aber auch das bekommt man geklärt und man muss ja auch nicht zwingend diskutieren. Außerdem traf man endlich mal die Leute, mit denen man sich so seine Zeit im IRC vertreibt im richtigen Leben, denn sie besuchten den Stand und als einzige Frau am Stand ist dann doch leicht zu erraten, wer ich wohl bin. Die Zeit ging wirklich schnell rum und da wir zu dritt waren, konnte man sich immer wieder vom Stand lösen.
Sehr leicht kam man auch selbst mit den anderen Standbetreuern ins Gespräch, so dass ich mich mit Sven, der sowohl den fedora-Stand betreute als auch den fsfe-Stand, über das 'Frauen und freie Software'-Projekt vom fsf unterhalten konnte. Außerdem habe ich erfahren, dass der fsf und der fsfe eigentlich die gleiche Organisation ist, wobei der fsf vor allem in den USA aktiv ist, wohingegen der fsfe in Europa arbeitet. Wir haben uns ausgetauscht und schnell gingen wir nach vorne zum Stand der fsfe, um noch andere zu suchen, die vielleicht zum Thema beitragen konnten. Mein Problem ist nämlich, dass ich die Wiki-Seiten, auf denen die Handlungsempfehlungen und die Ergebnisse der Arbeitsgruppe veröffentlicht wurden, nicht wirklich durchschaue. Außerdem fragte ich mich, ob es in Deutschland oder Europa ein ähnliches Projekt gibt. Am Ende saß ich mit Mechthild zusammen, die bei OpenOffice.org aktiv ist und im fsfe, und wir sprachen über das Projekt, über Frauen in der IT-Welt und über die Probleme, die sich auf diesem Wege so ergeben. Das Gespräch war unheimlich angenehm und für mich sehr bestärkend. Ich hatte das Gefühl, dass wir in vielerlei Hinsicht die Meinungen teilen. Zum Stammtisch in Düsseldorf bin ich auch gleich eingeladen worden und ich muss mal sehen, dass ich dort wirklich mal hinkomme.
Am Ende des Tages war der Social Event, den ich nicht besuchen wollte, weil ich schnell heim musste - Schlaf nachholen. Aber dann setzt man sich ja doch nochmal hin und spricht. In diesem Fall mit Thomas, mit dem ich zusammen den Stand betreut habe. Wir saßen noch einige Zeit an den Tischen vor dem Gebäuden, etwas abseits vom Innehof, wo das Event stattfand und haben über allerlei gesprochen. Denn am Stand hat man nicht wirklich die Zeit ausführliche Gespräche untereinander zu führen.
Abschließend kann ich sagen, dass es ein toller Tag war. Ich war begeistert, weil ich weitaus mehr Frauen hinter den Ständen gesehen habe als ich erwartet hatte und es gab noch viel mehr Besucherinnen als Standbetreuerinnen. Natürlich war der Großteil des Publikums männlich, aber trotzdem. Es freut mich.
Um 20.00 Uhr haben wir uns wieder auf den Rückweg begeben und ich freue mich schon jetzt auf die OpenRheinRuhr im November. Sie findet in Oberhausen statt, hoffentlich bekomme ich dann mehr Schlaf vorab.
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Kommentar von Dimanche | 2010-08-23
Gut geschriebener Artikel. Besonders gefallen mir die persönlichen Eindrücke und Empfindungen die in dem Artikel eingeflossen sind. Alleine dadurch habe ich, als Leser, das Gefühl dabei gewesen zu sein.
VLG
Kommentar von Casper Hauser | 2010-08-24
Hallo, danke für den Artikel. Leider vermisse ich einen Hinweis darauf, für wen Du dort gearbeitet hast...
Grüße
Casper
Kommentar von Helena | 2010-08-24
Hallo Dimanche und Caspar,
danke für Eure Kommentare.
Im Text habe ich das 'für Ubuntu' ergänzt, denn für diese Distri habe ich die Stanbetreuung gemacht. War doch klar oder? ;)
Viele Grüße
Helena
Kommentar von Pyromanic | 2010-08-24
Sehr schöner Blogeintrag. Darf ich den für den privaten Gebrauch kopieren?
Kommentar von Helena | 2010-08-24
Hallo Pyromanic,
du kannst den Artikel gerne für den privaten Gebrauch benutzen.
Viele Grüße
Helena
Kommentar von greebo | 2010-08-25
Danke für den Artikel, mir geht es eigentlich wie #1, ich hab den Artikel gelesen und ein klein wenig Sonnenstrahl und positive Einstellung wahrgenommen. Ich habs selbst noch nie zu solchen Messen geschafft, aber dein Artikel macht Laune drauf :).
Kommentar von hexer | 2010-08-25
hi
ich schließe mich #1 an, wirklich toll.
"...Allerdings habe ich mit bekommen, dass es anderen da auch anders erging und sie sehr viel herber angegangen wurden als ich. "
Dieser Sorte Mensch begegnet man überall :)
ciao
Kommentar von Helena | 2010-08-25
Hallo greebo und hexer,
Danke für die positive Resonanz. Das freut mich doch sehr. =)
Wenn ihr es mal auf eine Messe schaffen könnt, dann lasst es euch nicht entgehen.
Die nächste Standbetreuung werde ich auf der OpenRheinRuhr im November. Sie wird in Oberhausen sein. Falls ihr also in der Nähe wohnt. Kommt hin!
Wer eher im Osten Deutschlands wohnt, könnte sich für die Ubucon interessieren. Sie findet im Oktober in Leipzig statt.
Da weiß ich noch nicht, ob ich es hinschaffe.
Viele Grüße
Helena