Sie sind hier:

Closed Source vs. Open Soruce

.

Closed Source vs. Open Soruce

2010-02-01 09:51 (Kommentare: 10)

Proprietär vs Frei

Heute morgen bin ich beim Stöbern durchs Ubuntuusers-Forum auf einen Thread gestoßen, der mich zu diesem Artikel veranlasst. Es geht darum, dass ein Vater ein Problem mit den Lehrer seiner Tochter schildert und zwar wird vom Lehrer verlangt, dass Arial als Schriftart einer abzugebenen Arbeit benutzt wird. Eine Abweichung führt zu Punktabzug. Schnell gerät es zu einer ausartenden Diskussion um die unterschiedlichsten Themengebiete, wie Open vs. Closed Source, Regeln einhalten vs. Regeln anpassen, etc.. Ich muss gestehen, dass ich nach fünf Seiten aus der Diskussion ausgestiegen bin, da ich dererlei Diskussionen kenne - von beiden Seiten. Ehrlich gesagt bin ich meist auch so irritiert, dass ich lieber aus den Diskussionen aussteige.

Ich gestehe, dass ich bekennende OpenSource-Anwenderin bin. Ich weiß, wo für mich der Vorteil liegt von diesen Produkten. Als Betriebssystem verwende ich ein Kubuntu 9.10 (Karmic Koala), mein Browser ist Firefox 3.6, meine Emailprogramm Thunderbrid, Texte schreibe ich mit Open Office, Tabellenkalkulation mit Calc, Amarok ist mein Medienplayer, Kopete mein Chatclient. Ich bin fast vollständig umgestiegen und trotzdem verwende ich den Adobe Flashplayer, habe einen Closed Source Grafikkartentreiber auf dem Rechner. Ich gebe diese Informationen vorweg an, damit man weiß, wie ich geprägt bin.

Ich möchte zwei Dinge ansprechen, zum einen die Berufswelt bzw. Lernwelt und zum anderen wo liegen denn die Vorteile oder auch Nachteile von Open Source bzw. Closed Source?

Es wird immer wieder gesagt, dass SchülerInnen und Studierende auf die Berufswelt vorbereitet werden müssen und dass der Standard, der in der Berufswelt gesetzt ist, nun mal von Microsoft dominiert wird. Das ist natürlich vollkommen richtig. SchülerInnen und Studierende müssen auf die Berufswelt vorbereitet werden und das muss in Schulen und Hochschulen auch geschehen. Muss man deshalb aber auf den Einsatz von Microsoft Produkten bestehen?

Ich denke, dass es an dieser Stelle zwei Wege gibt - zum einen muss ein Zugang zu Bildung abseits von finanziellen Möglichkeiten gewahrt sein und zum anderen muss die (Hoch-)Schule Standards einführen und halten.Ich möchte zu erst auf den ersten Punkt eingehen - freier ungehinderter Zugang zu Bildung und Wissen muss gewahrt werden. Dies ist am besten mit Open Source Produkten möglich. Linux, Open Office, Mozilla, und viele andere bieten mir die Möglichkeit abseits meiner finanziellen Möglichkeiten Zugang zum Computer und dem Internet zu haben. Ich denke, dass die finanziellen Belastung während der Ausbildung bereits sehr hoch sind und diese nicht weiter in die Höhe getrieben werden müssen. Außerdem denke ich, dass Lernenden einer freier Geist vermittelt werden soll, dazu gehört auch das man Alternativen aufgezeigt bekommt. Mir fällt bei einem freien Geist immer mein Geschichtslehrer ein, dem ich vor allem meine Fähigkeit Kritik auszuüben und nicht alles blind zu glauben, verdanke. Denn er hat mir bereits sehr früh beigebracht, dass man alles kritisch hinterfragen muss. In meinem Studium war diese Fähigkeit überlebenswichtig. Ich finde also, dass SchülerInnen Möglichkeiten, Wege und Alternativen auch in der Benutzung von Computern aufgezeigt werden müssen.
Wie sieht es nun aber mit dem zweiten Punkt aus - der Vorbereitung auf die Berufswelt? Bedienung und Anwendungen sind unterschiedlich bei beispielsweise OpenOffice und Microsoft Office Word. Beherrscht man das eine Produkt, muss man noch lange nicht das andere beherrschen können. Kann ich Windows administrieren, kann ich das noch lange nicht behaupten ein Computer-Experte zu sein und beherrsche ich Linux, aber kein Windows, geht das auch nicht. Die Berufswelt ist mehrheitlich geprägt durch Closed Source Produkte, dafür gibt es die unterschiedlichsten rationalen und irrationalen Gründe. Es vollzieht sich ein Wandel und immer mehr Unternehmen und Verwaltungen wechseln zu Open Source Lösungen, die maßgeschneidert werden können. Es ist also durchaus nahe an der Berufswelt Alternativen aufgezeigt zu bekommen und zu lernen sich in neue Sachverhalte einzuarbeiten. In der Praxis wäre es für mich ein durchaus denkbarer Kompromiss den Lehrplan umzustellen und Computerlehre als Fach von der ersten bis zur letzten Klasse einzuführen. Denn Computer sind Teil des Lebens geworden und es gibt kaum mehr einen Bereich, bei dem sie nicht Anwendung finden. Selbst die scheinbar so naturnahen Berufe wie Bauern oder Förster brauchen in gewissen Teilbereichen Computer.  Medienkompetenz in allen Bereichen (Print- und Onlinemedien) ist eine Fähigkeit, die man lernen muss und kann.
Da die Umstellung des Lehrplanes aber ein Zukunftstraum ist, denke ich, dass sich auch an Schulen Kompromisse zwischen Closed-Source und Open-Source-Lösungen finden lassen, wenn beide Vertreter mit einem offenen Geist und Respekt füreinander an die Sache herangehen. Man könnte PDFs als Format der Abgabe standardisieren. Das bringt eh den Vorteil, dass sich die Darstellungsart nicht mehr verändert und es keine Komplikationen mit unterschiedlichen Versionen und Produkten kommt. Die Schriftart kann einheitlicher festgelegt werden als Arial und TimesNewRoman, da die Begründung dieser Schriftarten meist wirklich über den Platzverbrauch auf einer Seite führt. Da könnte man auch einfach sagen, wie diese Platzverbrauchvorgabe aussieht oder man stellt alternativ noch eine dritte freie Schriftart zur Auswahl.

Das sind gute Argumente für den Einsatz von gemischten Lösungen, zumindest meiner Meinung nach. Ich hatte gesagt, dass ich auf die Vor- und Nachteile von Closed Source und Open Source eingehen möchte. Dazu muss ich nun aber erstmal beide Begrifflichkeiten genauer klären. Closed Source bedeutet in erster Hinsicht erst einmal nur das der Quellcode nicht frei einsehbar und veränderbar ist. Gleichgesetzt damit werden Produkte, die kostenpflichtig zu erwerben sind. Das ist so nicht richtig. Proprietäre Software ist möglicherweise das bessere Wort, bedeutet aber nur das das Werk urheberrechtlich geschützt ist. In diesem Artikel geht es vor allem um kostenpflichtige Software. Beide Termini decken diese Kostenpflichtigkeit aber nicht ab, trotzdem werden sie sehr häufig synonym gebraucht, wie ich es im ersten Abschnitt dieses Textes auch getan habe. Open Source oder Free Source werden ebenfalls synonym füreinander genutzt und bedeuten doch unterschiedliches und gleiches. Auf die genaue Diskussion möchte ich an dieser Stelle nicht eingehen, dazu wird es einen eigenen Free/Open-Source-Artikel geben. Ich habe und benutze weiterhin für beide Begrifflichkeiten das Wort Open Source. Open Source wird meist mit kostenloser Software gleichgesetzt, aber auch das ist nicht richtig. Open Source bedeutet in erster Linie nichts anderes als das der Quellcode offen zur Verfügung steht und unter unterschiedlichen Lizenzen verändert werden darf. Trotzdem wird Open Source sehr häufig mit kostenfrei gleichgesetzt. Das liegt vermutlich daran, dass die meisten und bekanntesten Open Source Produkte kostenfrei zu erwerben sind. Ich verwende den Begriff trotz des Wissens um die Besonderheit synonym in diesem Artikel. Damit ist nun erstmal auf die Besonderheit der Begriffe aufmerksam gemacht und das soll an dieser Stelle auch genügen.

Zurück zur Frage, wo liegen die Vor- und Nachteile von Open Source und Closen Source? Ich möchte das gerne in einem offenen Gespräch mit Euch diskutieren. Vorweg sage ich aber, der Vorteil von Open Source liegt zum einen in der Offenheit. Man kann, wenn man es kann, sehr genau kontrollieren, was das Programm gerade tut und nutzt, was es speichert, was es sendet, wohin es sendet, und so weiter und so fort. Es gibt meist keine finanziellen Beschränkungen. Durch die große Gemeinschaft, die hinter derartigen Projekten steht, sind Fehler (Bugs) schnell gefunden und meist auch schnell behoben, da findige Menschen Teile ihrer Freizeit opfern.

Das ist es an dieser Stell erstmal von mir. Ich werde mich angeregt an der Diskussion beteiligen, bei der ich bitten möchte, dass der Respekt füreinander gewahrt wird. Falls man etwas nicht versteht oder nachvollziehen kann, fragt bitte vorher nach bevor man ausfallend, urteilend oder gar beleidigend werdet. Wobei ich ja sehr respektvolle und tolerante Leser habe... :)

Wie heißt es doch so schön: Man muss nur miteinander reden! In diesem Sinne, wo seht ihr die Vor- und Nachteile von Open Source und Closed Source. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht und welche Verbesserungsvorschläge habt ihr?

Schlagwörter von diesem Beitrag

Zurück

Einen Kommentar schreiben

Kommentar von Marc Reimann | 2010-02-01

Um mal ein Beispiel zu nennen warum ich so auf OpenSource stehe:

Als ich noch Admin in der Uni war hatten wir nach einem alternativen Brennprogramm gesucht, da es für uns so gut wie Unmöglich war nachzuhalten welche CD (von einem Kostenpflichtigen Produkt) zu welchem Brenner gehört. Ohne das zzu wissen kann man bei jeder neuinstallation erst mal schauen welche CD denn gerade mit diesem Rechner funktioniert. Bei über 70 Rechnern mit ca. 30 Brennern ist das nicht gerade eine schöne Arbeit.
Wir haben nach kurzer Suche auch eine Alternative gefunden gehabt im OpenSource Bereich. Das Programm konnten wir sogar ganz einfach auf dem Server entpacken und theoretisch von dort aus nutzen. Leider war ein Pfad fest angegeben, so das es doch nicht direkt funktionierte.
Wir haben den Programmierer angeschrieben (mein Kollege konnte vorher genau im Quellcode schauen an welcher Stelle es hakt) und hatte noch nicht einmal 12 Stunden später eine neue Version von dem Programm mit noch ein paar anderen Verbesserungen.
Kurz danach konnte jeder im Neztwerk mit einem Brenner diese Software einfach und Problemlos nutzen.
Das ist für mich OpenSource. Man hat die Möglichkeit direkt Kontakt aufzunehmen und mal eben schnell etwas zu verbessern.

Im Gegensatz dazu mal ein ClosedSource Beispiel:
Ein OCR Programm (Schrifterkennung bei Digitalen Dokumenten) wurde in der Uni neu angeschaft. Es funktionierte auch mehr oder weniger gut. Leider konnte man nicht speichern. Erst nach einem halben Jahr ist ein Patch herausgekommen mit dem es dann möglich war die gescannten Dokumente abzuspeichern. Ein halbes Jahr bei einer Software die um die 500,- Euro kostet und erst dann überhaupt sinnvoll benutzbar war...

Natürlich sind das extrem Beispiele die ich hier aufzeige. Aber im Schnitt zeigt mir meine Erfahrung, das es eher sorum gelagert ist als anders herum.

Viele Grüße

Kommentar von Helena | 2010-02-01

Hi Marc,

da hast Du recht, dass sind extreme Beispiele, aber wie ich finde auch sehr anschauliche.
Mir fällt grad immer wieder das Argument der Zusammenarbeit ein und den Darstellungsfehlern, die früher noch sehr viel häufiger aufgetreten sind, zwischen Word und Writer. Leider habe ich da kein wirklich gutes Gegenargument.

Viele Grüße
Helena

Kommentar von Dunkelangst | 2010-02-01

"Ehrlich gesagt bin ich meist auch so irritiert, dass ich lieber aus den Diskussionen aussteige."
Das nennt man wohl Thread Hijacking... :-( Ein Link zu dem Thread wäre natürlich dennoch hilfreich gewesen... ;-)

"Ich finde also, dass SchülerInnen Möglichkeiten, Wege und Alternativen auch in der Benutzung von Computern aufgezeigt werden müssen."
Das ist exakt meine Meinung. :-)

"In der Praxis wäre es für mich ein durchaus denkbarer Kompromiss den Lehrplan umzustellen und Computerlehre als Fach von der ersten bis zur letzten Klasse einzuführen. Denn Computer sind Teil des Lebens geworden und es gibt kaum mehr einen Bereich, bei dem sie nicht Anwendung finden."
Auch hier hast du in meinen Augen Recht. Leider ist meine Erfahrung die, dass Kinder besser und vor allem wesentlich offener mit Computern umgehen und auch wesentlich mehr mit dieser Technologie anfangen können, als Lehrer und Eltern. In meiner Schulzeit habe ich mich immer im sogenannten Informatik Wahlpflichtfach gelangweilt, weil wir alle mehr drauf hatten als der Lehrer. Die junge Generation ist im Netz und hier sehr aktiv. Dies zeigen die vielen sozialen Netzwerke. Die Gefahren können die Kinder und Jugendlichen in meinen Augen nicht oder wenigstens nicht ausreichend einschätzen. Hier würde ich den wesentlich größeren Aufklärungsbedarf einer Schule sehen... :-)

"Zurück zur Frage, wo liegen die Vor- und Nachteile von Open Source und Closen Source? Ich möchte das gerne in einem offenen Gespräch mit Euch diskutieren."
Privat nutze ich nahezu ausschließlich OpenSource Software. Hier sagen mir die Vorteile einfach zu und mir reicht diese auch vollkommen aus.

Geschäftlich bzw. beruflich nutze ich die Software die mir vorgesetzt wird. Sofern ich die Möglichkeit einer Einflussnahme haben sollte, kommt meine Wahl immer auf den Einzelfall an. Eine wirklich gute, freie CAD-Software ist mir beispielsweise noch nicht untergekommen - hier wird meine Wahl auf jeden Fall richtig proprietärer Software gehen.

Man muss privates und berufliches in meinen Augen einfach trennen. ;-)

Kommentar von Helena | 2010-02-01

Hallo Dunkelangst,

da hast du recht. Links wären wirklich hilfreich gewesen und am Anfang waren sie auch im Text. Was die wohl wieder gefressen hat? ;) Jetzt sind sie wieder da. Vielen Dank für deinen Hinweis.

Das in dem Fach auch auf die Gefahren aufmerksam gemacht wird, war für mich vollkommen selbstverständlich, so dass ich nicht weiter drauf hingewiesen habe. Das gehört für mich auch zu Medienkompetenz dazu, oder nicht?

In meiner Schulzeit hatte ich auch Informatik. Für mich als Laien hat der Lehrer zu hoch angesetzt und es ging direkt mit der Programmierung los, so dass ich hoffnungslos überfordert war. Wobei vorab sehr wohl abgeklärt wurde, ob der Unterricht für mich etwas ist oder nicht. Laut Lehrplan sollte er das auch sein. Solche Differenzen dürften sich aber erledigt haben, wenn SchülerInnen von Anfang an sich mit dem Thema auseinandersetzen.

Viele Grüße
Helena

Kommentar von Dunkelangst | 2010-02-01

Bei dem ersten Beitrag von dem Thread bei UU.de muss ich irgendwie grinsen... Man könnte auch einfach eine Arial Schriftart unter Ubuntu nach installieren und würde sich so den Ärger mit dem Lehrer sparen. Wenn Arial gefordert ist, ist Arial gefordert. Ich stimme da mit dem Lehrer überein. :-P

Deine Punkte bez. der Schriftart sind natürlich wesentlich treffender, doch wenn man es mit einem Dünnbrettbohrer von Lehrer zu tun hat, würde ich einfach die geforderte Schriftart nachinstallieren. ;-)

Kommentar von Uhrwerk | 2010-02-06

Dann will ich auch mal meinen Senf dazu geben. Ganz grundsätzlich sagt der Begriff Open Source ja nichts anderes, als dass es anderen erlaubt ist den Quellcode eines Softwareprodukts zu lesen. Das ist ansich erstmal ein schöner Gedanke, dass man anderen die Möglichkeit geben will zu lernen und zu kontrollieren. Dem Gros der Bevölkerung wird das aber schlichweg egal sein. Gibt man seinen Code unter einer Open Source Lizenz frei, so besteht natürlich das Risiko, dass der Code geklaut wird und man um seine hart erarbeiteten Brötchen betrogen wird. Das ist besonders schlimm wenn man nur das Programm verkauft und keine Einnahmen von Support o.ä. hat.

Interessant fand ich die Beispiele, die hier pro / contra Open Source aufgeführt wurden. Die haben m.E. nämlich alle nichts mit Open oder Closed Source zu tun, sondern mit dem Entwicklungszyklus der Software, bzw. der Produktkomplexität und der Mentalität der Organisation, die die Software zur Verfügung stellt. Dass Organisationen, die z.B. Betriebssysteme herstellen nicht mit einer Geschwindigkeit reagieren können, wie dies z.B. dem Hersteller eines CD-Brennprogramms möglich ist liegt auf der Hand.

In Bezug auf Ausbildung halte ich die Disukussion für etwas übertrieben. Die meisten Schulen werden schlicht nicht in der Lage sein Open Source zu "deployen". Entscheidend ist doch was hinten rauskommt. Wenn ich einen Präsentation abgeben muss, dann darf es keine Auflage sein, dass sie mit Powerpoint oder Draw erstellt werden muss. Hauptsache es kommt ein PDF hinten raus.

Zitat: "Außerdem denke ich, dass Lernenden einer freier Geist vermittelt werden soll, dazu gehört auch das man Alternativen aufgezeigt bekommt." Meiner Meinung nach gehört dazu auch, dass man Alternativen sucht. Wer unzufrieden ist und nicht nach Alternativen sucht, dem ist eh nicht zu helfen... ;)

Kommentar von Helena | 2010-02-06

Hallo Uhrwerk,

ich hatte ja im Artikel bereits darauf aufmerksam gemacht, dass es die Begriffe eigentlich weniger umfassen als ich es ihnen an dieser Stelle unterstelle bzw. wird meist weit mehr darunter verstanden als es eigentlich ist. Dieser weitgefassten Definition der Begriffe habe ich mich im Text angeschlossen, um die große Diskussion zu umgehen.


Was die Lizenzfreiheit von Open Source betrifft, ist das nicht richtig. Die Produkte stehen sehr wohl unter einer Lizenz, aber unter einer die dem User eben weit aus mehr erlaubt als die herkömmlichen Lizenzen - auch wenn das der Mehrheit egal sein mag. Aber so ist es schwerlich möglich Produkte bzw. Quellcode einfach als den eigenen auszugeben.

Was die Schulbildung angeht, war das ja auch nur ein Gedankenexperiment, das ich aber durchaus als verfolgenswert erachte. Es ist Aufgabe der Schulen und des Elternhauses Medienkompetenz zu vermitteln, dazu gehört auch das Internet und die Gefahren, die darin 'lauern'. Das Ziel mag hochgegriffen sein und in unserem derzeitigen Schulsystem schwer umsetzbar, aber wir brauchen ja eh eine Schulreform. ;) Natürlich gehört zu einem freien Geist auch die Suche nach Alternativen. Allerdings gehört dazu auch, dass man Alternativen zeigt, damit man weiß, dass es so etwas überhaupt gibt. Ich finde zumindest, dass das mit die Aufgabe der Schulen ist. Ich spreche ja hier nicht von Menschen, die bereits im Studium stecken, sondern von Kindern, die unter Umständen gerade erst die weiterführende Schule besuchen.

Um aber auf das Grundproblem mit Arial zurückzukommen,klar am Ende muss das Endprodukt stimmen.

Viele Grüße
Helena

Kommentar von COPOKA | 2010-02-14

Hallo Helena,

schön dass Du Dich des Themas im sozialen Aspekt angenommen hast.

Nur bist du leider einigen urbanen Mythen in Hinsicht auf Open- vs. Closed-Source aufgesessen. Das ist nicht weiter verwunderlich, weil auch die Technk- und Computerfreaks es sehr oft zu eng-technisch sehen.

Der Kernpunkt bei dem Thema liegt eigentlich nicht darin, ob die SW-Quellen offen oder nicht offen liegen, und nicht mal in der Kostenlosigkeit bzw. -pflichtigkeit der Software - das sind Nebensächlichkeiten. Das Kernproblem heißt dabei eigentlich "Offene vs. proprietäre Standards" - siehe zum Einstieg http://de.wikipedia.org/wiki/Offene_Standards. Das Übel an der Geschichte liegt nicht darin, dass MS-Word nicht offen liegt und dazu noch viel Geld kostet, sondern darin, dass das DOC-Format kein offener Standart sondern Eigentum von MS ist. Und da dieses Format nicht offen und 'privat' ist, kann MS daran schalten und walten, wie ihm g'rade passt. Dazu kommt noch die Lizenzfrage. Streng genommen, da es keine erschöpfende Beschreibung davon außer bei MS vorliegt, kann keine Software der Welt damit korrekt umgehen. Kein SW-Hersteller der Welt darf dieses Format ohne Kniefall vor MS es weiter entwickeln oder modifizieren. Und der Hammer dabei ist, dass alle, die DOC-Dokumente erstellt haben, auf Ewig dem MS auf Gedeih und Verderb ausgeliefert sind und immerwieder neue Versionen von MS-Word bezahlen müssen, um mit ihren Dokumenten weiter arbeiten zu können - it's Capitalism ;) Ähnlich sieht's bei Excell oder z.B. bei MS-Media bzw. WMA-Format aus. Auch bei anderen Herstellern ist die Lage genau so: AutoCad von AutoDesk, Photoshop von Adobe und v.v.m. Sogar von Dir präferiertes PDF wurde erst vor paar Jahren zum offenen Standard, davor sah es damit nicht anders als bei DOC aus und die OS-Gemeinde setzte lieber PostScript an - aus o.g. Gründen.

Einen riesen Vorteil von soliden OpenSource-Produkten liegt eben darin, dass solche Software immer auf offenen Standards aufsetzt, wie z.B. OpenOffice auf ODF-Format. Programme/SW-Produkte kommen und gehen, aber die damit erzeugte Daten bleiben und müssen idR weiter verarbeitet und gepflegt werden. Ist Format dieser Daten offen, so kann man sie mit verschiedenen Programmen bearbeiten oder im Notfall sogar neue dafür schreiben. Ist es nicht der Fall - Feierabend oder gaanz tief in die Tasche greifen.

Offene Quellen an sich haben keinen besonderen Wert, weil man dabei auch auf unglückliche selbstgestrickte Formate aufsetzen kann (womit man aber keinen Topf gewinnen kann). Dagegen sind sogar kommerzielle Closed-Source, die auf offenen Standards aufsetzen, viel "besser" für die Allgemeinheit.

Meine Darstellung ist freilich vereinfacht und nicht erschöpfend, aber die Trifft m.E. Kern der Sache. Eigentlich bemühen sich auch die "Großen" um Standardisierung ihrer proprietäten Formate, aber das würde uns jetzt zu tief in die Materie führen. Interessant dazu ist ggw. Tauziehen zw. MS OOXML und ODF. Bei MS heißt es nun auch Office_Open_XML ;)


Hoffe Dir weiter geholfen zu haben,
COPOKA

Kommentar von Helena | 2010-02-14

Hallo COPOKA,

vielen Dank für deinen ausführlichen und extrem hilfreichen Kommentar.
Ich werde mich dem Thema Open Source noch mal sehr viel ausführlicher widmen. Das steht schon fest, seit dem es diesen Block gibt - also bereits sehr sehr lange. *g*
Deine Anmerkungen werden da aufjedenfall einfließen und ich hoffe, dann weit weniger Fehler zu machen. Außerdem würde ich mich freuen deine Meinung zum neuen Artikel zu lesen. Das wird aber noch dauern. Nach meiner Literaturrecherche muss ich noch jede Menge lesen. Ich will das Thema ja möglichst genau und richtig beschreiben.

Vielen Dank nochmal für deinen Kommentar. Ich freue mich wirklich sehr darüber.

Viele Grüße
Helena

Kommentar von COPOKA | 2010-02-16

> ...
> Außerdem würde ich mich freuen deine Meinung zum neuen
> Artikel zu lesen.
>
Wenn Du mich darüber wissen lässt ;)
Meine Mail-Addr. hast du ja, und ich werde mich dadurch nicht belästigt fühlen - es ist m.E. ein interessantes und wichtiges Thema.

> Nach meiner Literaturrecherche muss ich noch jede Menge lesen.
> Ich will das Thema ja möglichst genau und richtig beschreiben.
>
Oh ja, so einfach ist es gar nicht. Aber falls Du technische Fragen zu klären hast, kannst Dich direkt an mich wenden. Ich bin zwar kein OS-Guru, hab' allerdings einiges an Erfahrungen und Gedanken dazu in *zig Jahren Berufsleben in der Branche eingesammelt.

Noch ein Tipp dazu:
http://www.heise.de/open/artikel/Trendstudie-Open-Source-221696.html

zum Seitenanfang